Tannenberg-Nationaldenkmal

Evakuierung

Die Evakuierung der Hindenburgsärge

Ein Zeitzeugenbericht von Günther Lubricht (Ostpreußenblatt v. 15.04.1995)

Vom Einsatz im Oslofjord und Skagerrak kommend, lagen wir mit dem Kreuzer "Emden" seit dem ersten Weihnachtstag 1944 im Dock der Königsberger Schichauwerft zur großen Werftliegezeit; alles war abmontiert: Anlagen, Geschütze, Maschine. Mitte Januar 1945 brach der Sturm der Roten Armee über Ostpreußen los, und die Lage um Königsberg wurde immer brenzlicher. Im letzten Monatsdrittel wurden plötzlich sämtliche Maschinenteile auf dem Oberdeck abgeladen, auch die Geschütze kamen zurück. "Was soll das?", fragten wir uns, führten unseren Dienst aber in gewohnter Weise fort.

Als wir am 24. Januar morgens auf das verschneite Oberdeck traten, lagen wir in Pillau. In der Nacht waren wir, ohne dass wir etwas davon merkten, von Schleppern durch den Königsberger Seekanal gezogen worden und lagen bei sehr tiefen Minusgraden am Ende des Seekanals.

Und noch eine Überraschung: Auf der Hütte standen die Särge des Feldmarschalls von Hindenburg und seiner Gattin, zwischen den Särgen lagen die Fahnen und Standarten aus dem Tannenbergdenkmal. Am 24. Januar 1945, so um 2.00 Uhr, ist dies alles in Begleitung des Feldmarschallsohnes, Oskar von Hindenburg, von Tannenberg kommend an Bord gebracht worden.

Ehrenwache bei eisiger Kälte

auf der "Emden" für die sterblichen Hüllen des Heerführers und seiner Gemahlin. In der Mitte, zwischen den beiden Särgen, die Truppenfahnen aus dem Reichsehrenmal.

So stand ich also vor dem im August 1934 gestorbenen Mann, der Ostpreußen 1914 beim Einbruch der Russen gerettet hatte. Noch heute klingen mir die Worte eines unserer Offiziere im Ohr: "Wo ist nun ein zweiter Hindenburg?"

Am Vormittag wurden die Särge mit den Fahnen und Standarten von Bord gehievt und auf die "Pretoria" gebracht, die dann Stettin erreichte. In der Elisabeth-Kirche zu Marburg/Lahn, nach einer Zwischenlagerung in einem Stollen des Salzbergwerks in Bernterode, Thüringen, haben die Hindenburgs 1946 ihre jetzige Ruhestätte gefunden.

Der Kreuzer "Emden"

beherbergte für kurze Zeit die sterblichen Überreste des Feldmarschalls und seiner Ehefrau.

Abschließend sei bemerkt, dass unser Maschinenpersonal die Backbordmaschine wieder fahrklar machte, und wir am 30. Januar 1945 über Gotenhafen mit sechs Knoten am 6. Februar 1945 mit 1.300 Flüchtlingen an Bord Kiel erreichten, wo dann am 9./10. April die "Emden" ihr Schicksal, schwerste Bombentreffer und Gefechtsunfähigkeit, ereilte.

Mit dem Afrika Dampfer "Pretoria"

gelangten die Särge von Pillau nach Stettin.