Tannenberg-Nationaldenkmal

Beisetzung Hindenburgs

Der 2. August 1934 war ein blasser Sommermorgen. An diesem Datum sollte der "Tag des deutschen Soldaten" begangen werden. Zwanzig Jahre zuvor hallten die ersten Schüsse des (1.) Weltkrieges über die Grenzen. Nun wird es der Todestag des Soldaten Paul von Beneckendorff und von Hindenburg sein. Um 6.00 Uhr haben die Ärzte einen letzten Bericht vorbereiten lassen, er spricht von "tiefer Benommenheit" , das nimmt den letzten Hoffnungsschimmer; vielleicht hätten sie sein Leben noch einen Tag verlängern können, aber das wäre gewiß nicht im Sinne des Sterbenden gewesen, der den riesigen Kreis seines Lebens beschlossen hatte und nur leben wollte, solange er wirken konnte.

 

Die Aufbahrung des Generalfeldmarschalls

in seinem Arbeitszimmer auf Schloß Neudeck. Die Ehrenwache an der Bahre des Reichspräsidenten, der in den schwarzseidenen, mit einem großen weißen Kreuz geschmückten Mantel des Johanniterordens gehüllt ist.

Um kurz nach 9.00 Uhr vormittags senkt sich die blauweiße Fahne am Schloß herab und an dem Mast geht das gelbe Standartentuch auf Halbmast. In Freystadt setzt das Postamt die Trauerfahnen, auf den Straßen nehmen die Leute ihre Kopfbedeckungen ab.
Goebbels teilt über alle Sender im Rundfunk mit: "Reichspräsident Generalfeldmarschall von Hindenburg ist in die Ewigkeit eingegangen."

Trauerparade vor dem Schloß Neudeck.

Der Augenblick, ehe der Sarg des Feldmarschalls im Schloßportal erscheint. Auf der Freitreppe haben hohe Offiziere Aufstellung genommen, die auf Kissen den Marschallstab und die Orden des Feldherrn tragen. Auf dem Balkon stehen Angehörige der Familie. Während die Truppe präsentiert, erklingt die feierliche Weise des Chorals: "Wenn ich einmal soll scheiden".

Stabsmajore der Reichswehr

tragen auf Kissen die Orden und Ehrenzeichen. Voran der Marschallstab, getragen vom Chef des Stabes der 1. Division.

Sechs Offiziere greifen in die Zügel der Pferde, zwei Kapitänleutnants treten neben den Sarg. Der Chef des Stabes der 1. Division trägt den Galastab des Marschalls aus Gold und blauer Emaille, Stabsmajore tragen auf Kissen die Orden und Ehrenzeichen hinterher. Wieder klirren die Gewehre nach den Kommandos der Trauerparade. Der Feldbischof spricht das Vaterunser.

Der Trauerzug verläßt Schloß Neudeck.

Inmitten seiner Soldaten und Offiziere

tritt der Marschall den letzten Weg über das Schlachtfeld von Tannenberg an. Der Sarg ist mit der Kriegsflagge bedeckt und mit Degen und Helm geschmückt.

Langsam setzt sich der Zug in Bewegung. Die Familie folgt dem Sarge. Noch einmal beleuchten die Fackeln, vom Winde bewegt, das Haus und den Park, leise rauschen die Linden und Ulmen. Dann senkt sich tiefes Schweigen über den Neudecker Bezirk. Am Ausgang warten die Gutsleute in letzter Aufstellung. An der Spitze des Trauerkonduktes marschiert die Ehrenkompanie mit den Traditionsfahnen, sie schwenkt auf die Chaussee nach Deutsch-Eylau. Die Generalität schließt sich an.

Die Fahnen seiner Regimenter ...

Die Bataillonsfahnen des 3. Garde-Regiments zu Fuß, in dem Paul von Hindenburg als junger Leutnant diente, des Oldenburgischen Infanterie-Regiments 91, das er als Oberst kommandierte und des 2. Masurischen Infanterie-Regiments 147, das ihm nach der Winterschlacht in Masuren verliehen wurde, werden durch die Ehrenkompanie an der Spitze des Trauerkonduktes getragen.

Der Trauerreigen der Fackeln dehnt sich durch die dunkelblaue Sommernacht vorbei an schwarzem Forst und bleichen Getreidehocken. Aus den Wolken blinkt hier und da ein Stern. Ein paar Kilometer weiter hält der Zug. Der Sarg wird auf ein Motorgeschütz gehoben, die Kompanien sind zur Seite eingeschwenkt und präsentieren. Auch die Infanterie besteigt die Motorfahrzeuge. Zwischen zwei Strahlenkegeln der Scheinwerfer fährt der Trauerzug davon. Gegen Mitternacht passiert der Totenkondukt Deutsch-Eylau, die Straßenlaternen sind umflort

Rappen ziehen die Lafette mit dem

Sarg des Feldherrn. Die Familie folgt direkt hinter dem Sarg.

Durch Osterode kommt der Zug um 2.30 Uhr, die ganze Stadt hat gewacht und gewartet. In den Fenstern brennen die Kerzen, sie brannten auch damals, als die Stadt, die am Rande des Tannenberger Schlachtfeldes lag, verschont geblieben war. Von Osterode biegt der Weg nach Stüben ab, jetzt hat er das alte Schlachtfeld erreicht. In den Dörfern stehen die Bauern und Siedler mit betenden Händen vor ihren Höfen.
Spukhaft verschwinden langsam die weißen Nebel. Jetzt hat die Sonne gesiegt, blutrot bricht sie sich die Bahn. Die Motorbatterie mit dem toten Feldhern steht auf der Höhe von Frögenau. Hier hatte Hindenburg seinen Gefechtsstand am Entscheidungstage, hier sah er durch das Scherenfernrohr auf die voranrückenden Truppen, über denen die weißen Schrapnellwolken platzten.

Überall, wo in den Städten und Dörfern

der Trauerzug vorbeischritt, grüßte die Bevölkerung.

Der Sarg wechselt wieder auf die Lafette der Feldartillerie, der Begleitzug bildet sich neu. Um 5.00 Uhr morgens melden die Wächter auf den acht Wehrtürmen des Tannenbergdenkmals mit ihren Hörnern, dass der tote Held herannahe. Die Glocken von Hohenstein beginnen zu läuten, die Kavalleriespitze reitet ein. Wieder schlagen die Trommeln, schmettern die Trompeten zur Trauerparade. Fünfzig alte Regimentsfahnen aus dem Königsberger Schloß werden vor der Hohensteiner Ordenskirche eingeholt, drinnen auf dem Altar liegt die Bibel mit Hindenburgs Namenszug aufgeschlagen, die er der zerstörten Stadt zum Wiederaufbau schenkte.

Von Neudeck durch den Preußenwald

über die Felder von Deutsch-Eylau langte der Trauerzug am 7. August 1934 früh morgens am Tannenbergdenkmal an.

Jetzt bewegt sich der Zug auf der Straßenallee zum Denkmal, er hat über hundert Kilometer von Neudeck zurückgelegt. Vorne in der Gedächtnisburg des Tannenbergdenkmals werden die Leuchtpfannen auf den hohen Plattformen entzündet. Schwarze Rauchsäulen winden sich zu dem wolkenlosen Morgenhimmel empor.

Um sechs Uhr am Morgen des 6. August 1934

trifft der Trauerzug nach der nächtlichen Fahrt über die fackelerhellten Straßen Ostpreußens vor der Tannenberg-Weihestätte ein.

Die Lüfte bauschen die riesigen schwarzen Fahnen, die von den Türmen herniederhängen. Der gewaltige Turm, der dem Eingangstor gegenüberliegt, ist ganz mit schwarzem Tuch bespannt, auf dem ein Kreuz aus Eichenlaub haftet.

Beim Einmarsch in das Denkmal

erweist die Wehrmacht dem großen Feldmarschall die letzte Ehre.

Zwölf Offiziere des Heeres und der Marine tragen den Sarg in den Feldherrnturm. In dem abgeschlossenen Burghof wird um 11.00 Uhr, wenn die Heerscharen der Trauergäste eingetroffen sind, die letzte Totenweihe stattfinden.

Fahnen ruhmreicher Regimenter

auf dem Weg zur Trauerparade.

Überwältigend ist die monumentale Wucht der Szenerie, wallenden schwarzen Fahnen und die flammenden Türme steigern den Eindruck über alle Wirklichkeit in phantastisch ungeheuerlichen Traum. Zwölf Männer tragen auf ihren Schultern den gigantischen Kranz des Diplomatischen Korps, ein Sinnbild der Verehrung, die der verstorbene Reichspräsident rund um den Erdball genoss.

Der Kranz des Diplomatischen Korps

für den toten Präsidenten des Deutschen Reiches, das Sinnbild der Verehrung, die der Reichspräsident bei den Völkern der Erde genoß.

Die nächsten Angehörigen des

Toten, unter Führung des Obersten Oskar von Hindenburg, erscheinen im Ehrenhof des Tannenbergdenkmals, in dessen weitem Rund andachtsvolles Schweigen herrschte. In der vordersten Reihe neben der Familie des Obersten der Feldbischof D. Dohrmann.

Reichswehrminister Generaloberst

von Blomberg, Reichsaußenminister Freiherr von Neurath und Admiral Dr. h.c. Raeder im Trauerzug.

Die ruhmreichen Fahnen der Regimenter

halten Einzug im Denkmal.

Vor Beginn der Trauerfeier im Innenhof:

Hitler begrüßt Frau Margarete von Hindenburg, die Gattin des Obersten von Hindenburg, des einzigen Sohnes des Generalfeldmarschalls.

Nachruf des Reichskanzlers

auf den Feldherrn und Reichspräsidenten.

Andächtiges Schweigen im Ehrenhof.

Mitglieder der Reichsregierung

während der Trauerfeier. Von links: Vizekanzler von Papen, Reichsaußenminister von Neurath, Reichsverkehrsminister von Eltz-Rübenach, Reichsjustizminister Dr. Gürtner, Reichswirtschaftsminister Reichsbankpräsident Dr. Schacht, Reichsinnenminister Dr. Frick.

Die letzten Meter des Feldherrn.

Der Sarg des Reichspräsidenten

und Feldmarschalls in der vorläufigen Gruft am Tage der Trauerfeierlichkeiten.

Beisetzung Hindenburgs in der Gruft 1935

Die Beisetzung Hindenburgs

in der neu geschaffenen Gruft am 2. Oktober 1935.